Essen

PimPam Nakkit

Ein Terminus Technicus, der sich im Zuge besagter Reifeprüfungsreise im Jahre des Herrn 1974 hinter meiner Stirn eingebrannt hat. Es war die Speise, mit der wir uns selbst in Anbetracht unseres Schmalhans-Geldbeutels in Helsinki ein paar Tage durchschlagen konnten. Aber, komisch, merkwürdigerweise schweigt sich das gesamte Internet darüber aus. Ein beredtes, wie's aussieht, durchaus geheimnisvolles Schweigen. Vielleicht sollte ich mich mal ins Darknet begeben.

Vorher noch schnell ein Griff zum Wörterbuch: Nakki heißt zu Deutsch Würstchen. So weit wären wir schon mal. Und damit sind wir auch verdammt nah an meiner Erinnerung. In Sachen PimPam dagegen gibt auch mein Finnisch-Wörterbuch nichts her. Allenfalls pimu, was so viel heißt wie Mädel. Aber das scheint uns auch nicht wirklich weiterzubringen. Jedenfalls bin ich felsenfest sicher, dass meine Erinnerung mir keinen Streich spielt. Ich sehe die Schaufensterplakate und Straßenaushänge in Helsinki und andernorts noch vor mir. Dabei handelte es sich um eine Art doppelten Hotdog mit einem nach absolut nichts schmeckendem Würstchen in einem besonders pappigen Milchbrötchen. Vielleicht, wer weiß, vielleicht war PimPam auch nur eine inzwischen längst in den Weiten des Universums verrauchte Kette von Nakki-Kioski, wie man in Finnland die Imbissbuden heißt. Keine Ahnung, meine erste und letzte Begegnung mit dieser erlesenen Speise ist allemal 40 Jahre her.

Und ich weiß nicht, ist dafür ein Rezept von Nöten? Man munkelt, dass die finnische Variante mehr Mehl als Fleisch enthält. Unter ahnungslosen Touristen besonders gefürchtet sind die Sininen lenkki: für finnische Verhältnisse preiswerte Würstchen, die neben all dem Mehl, kaum Fleisch, sondern vor allem Fett enthalten.

Vielleicht ist es ganz grundsätzlich mal interessant, wie so eine Wurst eigentlich von innen aussieht und was ihr auf ihrem Weg ins Hotdog-Brötchen widerfahren ist. Man nehme also ein Sammelsurium aus minderwertigem Schweine-, seltener auch Rindfleisch. Gewürzt mit Pfeffer, Paprika, Ingwer, Muskatblüte und Koriander. In Deutschland jedenfalls. Von dieser erlesenen Gewürzmischung konnten die finnischen Varianten meiner Studentenzeiten offensichtlich nur träumen. Egal jetzt mal. Zur industriellen Herstellung der Siedewurst jedenfalls muss das Fleisch noch mit Kutterhilfsmitteln und Nitritpökelsalz aufgepeppt werden, bevor es im Kutter (ein maschineller Fleischwolf) zu einem feinen Brät zerkleinert wird. Unter Zugabe von etwa 20% Eis, um das Eiweiß am Gerinnen zu hindern und um die Wurst saftig zu halten. Die Fleischmotsche sodann wird in Schweinedärme, Schafsaitlinge oder essbare Kunstdärme abgefüllt. Üblicherweise werden hierzulande die Bockwürste danach 30 bis 60 Minuten heiß geräuchert. Ob sich die finnischen Variationen ebenfalls dieser letzten Prozedur unterzogen, also rauchumwoben abgehangen haben, bevor sie schließlich in heißem Wasser gebrüht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, halte ich aber angesichts der oben erwähnten Geschmacksneutralität für eher unwahrscheinlich.

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