Romanwerkstatt

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Wünsche, wohl gerutscht zu sein!

Wo waren wir stehn geblieben? In der Story, in der Ausgangsgeschichte? Bei den knallenden Sektkorken dieser asymmetrischen Vierecksgeschichte. Großonkel, Sohn, Großneffe, Lebensabschnittsgefährtin des Sohns. Vater-Sohn-Konkurrenz, Trennungstheater, Felix zwischen allen Stühlen. Okay, das war der Stand der Dinge am Anfang. Das Ganze bei der Familienparty in Neuss. Genau: Neuss. Nah genug an der Düsseldorfer Schickeria. Und weit genug entfernt. Ohne also komplett in der gloriosen Design-Elite aufzugehn.

Design: genau. Möbeldesign. Hat mir Bruno, der Großneffe von Böll, nicht erzählt, seinerzeit, auf dem einzigen Klassentreffen, das wir je zu Wege gebracht haben, dass er Stühle entwerfen wolle? Keine Ahnung, was draus geworden ist, aus Bruno und seinen Stühlen. Das Internet unterm Zugriff meiner bescheidenen Suchfähigkeiten gibt nichts her, gibt nichts preis. Also setze ich ihm hier ein Denkmal. Einem der nettesten meiner Montessori-Schulkameraden und seinen Stühlen, wenn es sie denn je gegeben hat.

Und die Entführung? Wie krieg ich die Entführung hin und rein und zu Ende? Zu guter Letzt auch noch plausibel!

Und Einsamkeit. Einsamkeit ist im Norden zu Haus.

Norwegen, sagen wir: Norwegen. Schnee und Eis und Höhe. Das Rondane Gebirge. Traumhaft schöne weiße Einsamkeit im Winter. Einsiedlereinsamkeit. Ewig her, Jahrzehnte, aber am eignen Leib erfahren und in absolut präsenter Erinnerung. Außerdem ideales Versteck für einen Entführer und sein Opfer. Also bitte. Also los. Also hab ich die Geschichte im Hörspielvorläufermodell im Rondane-Massiv steigen lassen.

Danach erst, bei der Romanfassung, ging's noch weiter ins Nichts, geriet das Ganze auf Abwege an die finnisch-russische Grenze.

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

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