Romanwerkstatt

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Wo war ich stehngeblieben: Gegenspieler. Kein Protagonist ohne Antagonist. Aristoteles – hieß das nicht bei Aristoteles schon so? Die goldene Regel der Spannung. Die beiden hoch droben aneinanderstoßenden Firststeine, die dem Spannungsbogen die Stabilität verleihen. Also ein Gegenspieler muss her. Gibt's kein Vertun.

Was hatte ich gesagt? Verwandt sollen sie sein. Großvater. Nein, einen Großvater, meinen Großvater hatte ich im letzten Roman schon verschlissen. Großonkel; okay, das richtige Verhältnis von Distanz und Nähe. Felix also als Großneffe. Der eine am Anfang, der andere am Ende der Karriere; absolutes Greenhorn der eine, alter Fuchs der andre. Wobei Letzterer aber nicht sehn will, dass das Ende der Fahnenstange zum Greifen nah ist. Bedrohlich nah. Der Großonkel gewissermaßen vom Neid auf den Aufbruch des Enkels seines Bruders angefressen, zerfressen. Ohne, dass er es diesen spüren ließe.

Blickt man durch diese komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse noch durch? Oder müssen sich die Leser erst eine Familienpyramide zeichnen? Letztlich egal, Hauptsache verbandelt. Wie gut die Leser damit klarkommen, hängt von den Konturen ab, von den hart gezeichneten, scharf geschnittenen Profilen ab, die ich meinen Leutchen verpasse. Klar, dass der Kontrast von Protagonist und Antagonist per definitionem hinreichend Zunder gibt. Wenn Felix also der Glückliche ist, dann ist Claus – genau, Claus soll er heißen, Claus mit 'C', ruhig bisschen schrullig – dann also ist Claus … Aber Vorsicht, nicht zu eindeutig! Scharf konturiert, aber nicht eindimensional.

Wenn's weiter nichts ist.

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

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