Romanwerkstatt

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Felix als Sympathieträger, also Identifikationsangebot muss also, wiederum Brecht folgend, der ja im Sinne des mündigen Lesers vorm Einlullen durch Fiktion und damit vor einer Einschränkung der Kritikfähigkeit gewarnt hat, muss also hinreichend Kanten und Ecken aufweisen, an denen man sich stört und stößt. An denen sich der durch meine Schreiberei auf den Plan gerufene Wirklichkeitsschein bricht und in der Spiegelung verzerrt. Einfallswinkel nicht unbedingt gleich Ausfallswinkel. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es noch längst nicht immer heraus. Dazwischen immerhin die filternde, verschiebende Instanz namens LeserIn. Der man auch Futter zu geben hat.

Naivität zum Beispiel. Felix' Wegbegleiter auf weite Strecken. Naivität bis an den Rand der Verzweiflung des Lesers. Eine ahnungslose Gutmenschgutgläubigkeit, ein geblendeter Aktionismus. Innere Einstellungen jedenfalls, die motivieren, dass Felix dieses schräge Manöver mehr oder weniger widerstandslos mitmacht. So dass der Leser, die Leserin, gebeugt über die Seiten, ein ums andere Mal murmelt: "Wie blöd kann man sein!"

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

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