Romanwerkstatt

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Dialoge ohne Ende, zugegeben. Meine große Obsession. Na ja, gut, bin eben Hörspieler. Dialoge schießen mir so aus der Feder. Quasi ohne mein Dazutun. Quatschen kann ich. Muss ich nur mitschreiben.

Die Debatten mit den Hörspieldramaturgen drehen sich dann auch selten um die Dialoge, ihre Schwünge, Überraschungen, ihre Stringenz. In aller Regel greifen die Eingriffe, Zugriffe, Alternativideen bei der Konstruktion an, bei der Dramaturgie, dem großen Ganzen. Das macht es nicht unbedingt einfacher, versteht sich. Wobei ich diesen Werkstattcharakter sehr schätze, das Hin und Her, Vorschlag und Rückschlag, Änderungsideen nachgehen und nachgeben oder auch nicht. Noch mal und noch mal die Stifte wetzen.

Wenn ich dann nach Zurechtruckeln der Plotkonstruktion die Figuren wieder am langen Bändel der neuen dramaturgischen Struktur angeknotet hab und auf der Ebene des Dialogschreibens angekommen bin, geht's wieder los, wieder ab. Quasselt das Papier nur so.

von Ulrich Land (Kommentare: 2)

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Kommentar von Thomas Földes |

ich liebe diese Werkstatt. Sowas spannendes, wie du dich da abarbeitest, die Konstruktion deines Romans immer wieder zurecht zu rücken. Zu hören was dir leichtfällt, was dir Sorge macht. Zu erleben wie mir bekannte Episoden deines Lebens in so einen Roman einfließen.
Spannender als viele Romane. Das Leben schreibt eben doch die besten Bücher.

Kommentar von Ulrich Land |

Jau, ich liebe die Werkstatt auch. Es lag, glaub ich, noch nie ein Projekt auf meinem Schreibtisch, bei dem ich mir so viel Gedanken über den Entstehungsprozess gemacht hab. Geschweige denn, die ganz Chose aufgeschrieben hätte. Und das hilft wahrhaftig, um mir selbst darüber klar zu werden, was da eigentlich vorgeht. Wozu man ja im normalen Tagesgeschäft verdammt selten kommt. Dafür bin ich der Werkstatt - und dir, lieber Thomas als fleißigem Kommentator sowieso - echt dankbar.